Am Montag, 7. Mai beginnt der Aufbau des Theaterzelts „Chapeau Rouge“ an der Strandpromenade in Heringsdorf. Zum 20. Mal wird der „Rot Hut“ von den Mitarbeitern der Vorpommerschen Landesbühne aufgebaut. Das große Spielzelt und das kleinere Zelt zur gastronomischen Versorgung erhalten jeweils eine neue strahlend rote Zelthaut. Es ist bereits die dritte seit der Gründung dieser Kultureinrichtung auf Usedom. Die neuen Zelthäute in dieser Saison waren erstens aus normalen Abnutzungsgründen notwendig und zweites riss die Zelthaut im vergangenen Sommer unter den stark schwankenden Witterungseinflüssen und konnte nur notdürftig repariert werden. Im Theaterzelt sind erstmals auch Lüftungsklappe eingebaut, die das Klima an heißen Sommertagen verbessern sollen. Die neue Zelthaut kostet insgesamt 35 000 Euro. Die Gemeinde Heringsdorf steuerte 25 000 zur neue Zelthaut bei, der Rest kommt aus theatereigenen Mitteln. Erneuert werden muss auch der gesamte Holzfußboden beider Zelte, der ebenfalls durch das Regenwetter im vergangenen Sommer stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die 20. Spielzeit des Theaterzelts „Chapeau Rouge“ beginnt am 25. Mai mit dem Kinderstück „Der Teufel mit den drei goldenen Haare“ und dem Kabarett-Abend „Humor ist, wenn man trotzig lacht“. Insgesamt stehen 10 Produktionen der Vorpommerschen Landesbühne bis Anfang September auf dem Spielplan, als Gäste werden unter anderem Wladimir Kaminer, Hellmuth Karasek und Thomas Putensen erwartet. In den ersten Wochen der Spielzeit bietet das Theater eine kulturelle Alternative zur Fußball-Europameisterschaft, die etwa 500 Meter Luftlinie vom Zelt entfernt, an der Seebrücke Heringsdorf, live übertragen wird. Vormittags bietet das Theater Kinderproduktionen, abends wird vor allem Kabarett geboten. Das Theaterzelt „Chapeau Rouge“ wurde 1993 in der Gründungsphase der Vorpommerschen Landesbühne gegründet. Damals gingen allgemein die Zuschauerzahlen in den Theatern dramatisch zurück und die Anklamer Theaterleute suchten nach einem Ausweg. So gingen sie mit ihren Theaterproduktionen dorthin, wo potentielle Zuschauer waren – auf die Insel Usedom und waren die ersten Theatermacher im Land Mecklenburg-Vorpommern, die die traditionellen Sommer-Theaterferien zugunsten des Theaters ausfallen ließen. Das erste Zelt wurde von den Theatermitarbeitern selbst finanziert.
Hinweis für die Redaktionen: Die Aufbauarbeiten beginnen gegen 8 Uhr, die Zelthaut wird gegen Mittag übergestreift. Einen genauen Überblick über den Fortgang der Arbeiten vor Ort hat der Technische Direktor, Hans-Jürgen Engel, Tel.: 0177 5208902
Das traditionelle Pressegespräch zur Eröffnung der Sommersaison der Vorpommerschen Landesbühne findet am Dienstag, 22. Mai, 11 Uhr im Theaterzelt "Chapeau Rouge" statt.
Trailer zu unseren Stücken
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Überraschung! Streit! Liebe!
Liebes Publikum,
gleich eine der ersten Produktionen in der neuen Spielzeit trägt den spannenden Titel “Der Streit”, und irgendwie gehört der Streit zum Theater wie der Kern zum Apfel. Eine der Ursprungslegenden des Theaters geht (etwas vereinfacht) so: Irgendwann vor ca 2500 Jahren habe bei den alten Griechen ein gewisser Thespis genug gehabt von den im Chor vorgetragenen Lobgesängen, Hymnen oder Klageliedern und habe sich dem Chor entgegengestellt. Auf einmal gab es Rede und Gegenrede, das Theater war geboren.
Seitdem hat sich in der Medienwelt das ein oder andere getan, und man sagt, wir seien mal wieder mitten drin in einer Revolution. Digitalisierung und das Internet stellen unsere Medienwelt auf den Kopf. Aber aller Pixel- und Flimmerkram kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ohne Streit keinen Spaß macht. Ob es wie bei Marivaux um die Frage geht, wer wen zuerst betrog, ob Egon Olsen einen Plan gegen die bösen Mächte schmiedet, oder sich Rotkäppchen mit dem Wolf anlegt, der Zusammenstoß von Meinungen, Menschen oder Mächten bringt dem Zuschauer als lachendem Dritten den Gewinn.
Natürlich darf die Liebe dabei nicht zu kurz kommen, aber schon Shakespeare, der alte Fuchs, hat gewusst, dass beim Zusammenprall der Geschlechter die Funken fliegen müssen. Bei seiner “Zähmung der Widerspenstigen” ist ihm diese Komposition so gut geraten, dass sie seitdem oft kopiert worden ist.
Auch die Geschichte vom Teufel mit den drei goldenen Haaren ist, seit die Gebrüder Grimm sie aufgeschrieben haben, oft und in verschiedenen Versionen erzählt worden. Unsere Variante überrascht u.a. mit der Erkenntnis, dass die Frage, wer eigentlich der Bösewicht im Spiel ist, spannend bleiben kann, selbst wenn man den leibhaftigen Teufel im Personal aufbietet. Und Neil Simons “letzter der feurigen Liebhaber” wartet mit der Überraschung auf, dass der Held seinen ärgsten Widersacher auch in sich selbst haben kann.
Ob allerdings der Streit um die Mecklenburgisch-Vorpommersche Theaterlandschaft wirklich notwendig ist, wird sich noch erweisen. Mittlerweile hat er sogar die Amtszeit des Ministers, der ihn angezettelt hat, überdauert. Wir wollen jedanfalls das Unsere dazutun, dass am Ende die Liebe zum Theater siegt. Damit wir Sie - unser Publikum - auch weiterhin mit unserem Spiel überraschen können










